Wien/Graz. Die grüne Mark bleibt de facto schwarz, zumindest in den Gemeindeämtern. Wie in den angrenzenden Bundesländern Salzburg, Ober- und Niederösterreich gilt die ÖVP auch in der Steiermark als die „Bürgermeisterpartei“. Das wird sie auch nach den Gemeinderatswahlen am Sonntag bleiben. In 199 von 284 Gemeinden regierte die ÖVP vor dem Sonntag, bei Redaktionsschluss sieht es danach aus, dass sie die meisten wird verteidigen können. Insgesamt aber verlieren ÖVP und SPÖ teilweise massiv an die FPÖ, die zwar oft deutlich zulegt, jedoch keinen Sensationslauf vorweisen kann.
Aufsummiert verliert die ÖVP 3,5 Prozentpunkte, in sieben Gemeinden in Graz-Umgebung auch ihre absolute Mehrheit. Dafür kann sie in Bad Mitterndorf, das bei der Landtagswahl dunkelblau gefärbt war (42,1 Prozent), über einen Überraschungssieg jubeln: Mit 41,2 Prozent setzt sie sich gegen Bürgermeisterin Veronika Grill (SPÖ) durch (39,4 Prozent).
Bei der SPÖ fällt das Minus wiederum noch deutlicher aus: Aufsummiert verliert man 4,1 Prozentpunkte. In der Heimatgemeinde von SPÖ-Landesparteichef Max Lercher, in St. Peter am Kammersberg, rutscht sie auf Platz drei ab. In den SPÖ-Hochburgen Bruck an der Mur, Leoben, Leibnitz, Deutschlandsberg und Mürzzuschlag hält ihre absolute Mehrheit nicht.
Bei den Blauen hat man sich nach der Nationalratswahl, bei der die Steiermark am deutlichsten Blau wählte, sowie dem Wahlerfolg von Mario Kunasek Ende November berechtigte Hoffnungen darauf gemacht, die blaue Welle weiter surfen zu können. Erfüllt haben sich diese Hoffnungen vorerst nicht. Sie konnte keine steirische Gemeinde „umdrehen“, also nirgends den ersten Platz erreichen.
Die FPÖ muss also weiterhin auf den ersten Bürgermeister in der Steiermark warten. Extrem knapp schrammt sie in St. Michael in der Obersteiermark an Platz eins vorbei: Mit 36,4 Prozent bleibt sie nur ganz knapp hinter der SPÖ, die quasi alle ihre Stimmverluste an die FPÖ verliert (minus 26,7 Prozent). Mit 37,4 Prozent aber bleiben die Roten mit einem Vorsprung von einem Prozentpunkt Erster.
Spannend ist das blaue Ergebnis in den Gemeinden in der Obersteiermark, die infolge der Debatte um das Leitspital bei der Landtagswahl im November tief blau gefärbt wurden. In keiner steirischen Gemeinde konnte die FPÖ zuletzt so stark zulegen wie in Rottenmann, wo die Blauen bisher nicht einmal im Gemeinderat saßen. Bei der Landtagswahl im November stimmten hier 63 Prozent der 2000 Einwohnerinnen und Einwohner für die FPÖ unter Mario Kunasek.
Doch bei der Gemeinderatswahl zeigt sich ein anderes Bild: Zwar verliert auch dieses Mal die ÖVP stark (minus 8,4 Prozentpunkte) in Rottenmann, schafft aber mit 40,1 Prozent immer noch deutlich vor der SPÖ den ersten Platz, die mit einem Plus von rund sechs Prozent auf 36,9 Prozent kommt. Die FPÖ legt stark zu und kommt auf 7,8 Prozent. Von einer Chance auf den Bürgermeisterjob ist die Landeshauptmannpartei aber weit entfernt.
Die Neos wiederum schafften in Ramsau (Bezirk Liezen) eine Sensation: Nachdem die dominierende Liste von Ernst Fischbacher nicht mehr angetreten ist, erreichen die Pinken 34,5 Prozent und Platz zwei hinter der ÖVP mit 39,9 Prozent. Die Grünen erzielen in ihren Gemeinden großteils ähnliche Ergebnisse wie bei der letzten Wahl 2020. In Graz-Umgebung fliegen sie allerdings sowohl in Gössendorf als auch in Kalsdorf aus dem Gemeinderat.
Formal kann in der Steiermark, wie in Wien und Vorarlberg, der Bürgermeister nicht direkt gewählt werden. Diese Möglichkeit will man zwar für die Zukunft prüfen, derzeit aber gilt – vergleichbar mit der Landtagswahl – das Listenwahlrecht: Rund 805.000 Wählerinnen und Wähler gaben am Sonntag ihre Stimme einer Liste. Die stärkste schlägt dann dem Gemeinderat einen Bürgermeisterkandidaten oder eine Bürgermeisterkandidatin vor, der darüber abstimmt.
2025-03-23T16:47:20Z